Trauerzeit

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Hallo ihr Lieben,

ich habe mich lange nicht mehr gemeldet. Leider gibt es einen Grund dafür, denn am 25.7 ist mein Opa gestorben. Ich durfte ihn seine letzten Tage begleiten und pflegen bis zu seinem letzten Atemzug.

Wie geht es mir? Wie war es für mich? Was macht es mit mir? Schaffe ich das? Kann ich für meine Oma und Tante da sein? Diese Fragen musste ich mir schnellstens überlegen und es war „ja, ich schaffe das!“ Vor zwei Wochen kam mein Opa aus dem Krankenhaus, er wusste es sind seine letzten Wochen, die er noch mit seiner Familie hat. Keiner wusste genau wie es um ihn stand, nach und nach merkten wir, dass es zu Ende gehen wird.

Ich hatte vor Monaten für diese Zeit Urlaub geplant und meine restliche Familie hatte auch verschiedene Termine. Vor etwa drei Wochen kam der Anruf, dass mein Opa im Sterben liegt. Das war ein harter Schlag und mein Vater fuhr am selben Tag hin. Am Abend schrieb mein Vater in unsere Familiengruppe, dass Opa im Sterben liegt und es nur noch wenige Tage oder Stunden dauern würde, man wusste nicht wie lange.

Ich hatte mit meinen Opa eine enge Beziehung, als ich ein Kind war, hat er immer alles repariert und war immer für mich und meinen Geschwister da. Er wusste immer ein guten Spruch für alle Gelegenheiten. Er war und ist der beste Opa den man sich wünschen konnte. Leider habe ich im Laufe der Zeit die Besuche ziemlich vernachlässigt, was ich heute bereue aber an seinem Sterbebett hat er mir verziehen. In seinen letzten Tagen war ich viel für ihn, meine Oma und Tante da. Sie brauchten auch viel Hilfen und Unterstützung. Ich hatte Opa vor ein  Jahren versprochen, dass wenn er mal nicht mehr ist, ich mich um die beiden kümmern würde, zusammen mit meinen Geschwistern. Vor 3 Wochen fuhr ich dann also zu meinen Großeltern und zu meiner Tante. Mein erster Gang war zu meinem Opa. Er war kaum ansprechbar, konnte kaum reden. Ich redete mit ihm und sagte ihm noch alles, was ich noch erzählen wollt. Ich umarmte ihm sagt ihm,  ich liebe dich Opa und ich werde hier bleiben bis du es geschafft hast. Es war traurig ihn so zu sehen, er war nicht mehr so wie er mal war.

Aber mein Körper hat alle meine Gefühle und Gedanken herunter gefahren und hatte auf einmal anders funktioniert. Ich kümmerte mich um meinen Opa, wusch ihn jeden Morgen,gab ihm Medikamente und lagerte ihn so, dass er sich nicht wundliegen konnte. Stundenlang saß ich neben seinem Bett, hielt seine Hand und sagte ihm, dass alles in Ordnung ist, ich würde mich um alles kümmern und ich lasse Oma und die Tante nicht alleine, wir würden zusammen halten. Jeden Tag verschlechterte sich sein Zustand, aber ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten war ein Geschenk, denn ich konnte ihm das zurück geben was er uns in unserer Kindheit gegeben hatte.

Bevor er in die Zwischenwelt ging verabschiedete er sich von allen, mir streichelte er mit seiner Hand noch die Wange und sagte „Danke“ Meiner Oma gab er ein letzen Kuss bei jedem war es anders. Die letzten 3 Tage fiel er in eine Art Koma, das gehört zum Schluss. Er hörte aber noch alles bis zum seinen letzten Atemzug. Er war glücklich, dass seine Liebsten um ihn herum waren  und genoss trotz allem  die Zeit. Am 25.7 um 14 Uhr schlief er ein. Es war für mich wie eine Erleichterung. Wen man einen Sterbenden begleitet, sieht man wie der Sterbende Dinge sieht und was er sieht, Dinge die wunderschön sind, er sah sein ganzes Leben wieder. Man konnte es fast mit ihm zurück verfolgen: er spielte Fußball, ging arbeiten, er sah die Familie seiner Kindheit, seine Mutter und sein Vater und seine Geschwister. Er rief immer wieder “ Mutter“ oder „Emmi“ seine Schwester, was interessant war.

In der Zeit als er noch trinken konnte, hatte er Lust auf Bier, Cola, Orangensaft und zu essen gab es Eis, Schokoeis. Nach und nach konnte er aber dann nicht mehr schlucken und so wollte er dann nichts mehr zu sich nehmen. Zwingen konnte und durfte man ihn nicht. Nach und nach musste man ihn los lassen, was schwer war, für uns und auch für ihn. Er konnte auch nicht einfach loslassen. Am Tag vor dem Tod schrieb mein Bruder noch eine Prüfung. Er kam aber direkt danach von Berlin und verabschiedet sich von unserem Opa. Gegen Nachmittag kam noch ein guter Freund von meinen Opa und verabschiedet sich auch von ihm. Am nächsten um 14 Uhr verstarb er. Ich war geschockt aber ich konnte noch meine Mutter und meine Schwester anrufen, die sich schnell auf dem Weg machten. Opas letzter Wunsch ging in Erfüllung, seine Liebsten standen um ihn herum.

Bis dahin wusste ich nicht, was ich alles leisten kann und was unser Körper kann. Ich musste 24 Stunden funktionieren, nachts aufstehen und tagsüber aktiv sein, ich bin immer die Treppe hoch und runter, gab ihm trinken, war für ihn da und habe versucht ihm die Angst zu nehmen.

Jetzt sind seit dem ein paar Tage vergangen, mein Körper fährt langsam runter und meine Trauer kommt immer mehr raus. Die Sterbebegleitung ist nicht einfach aber es war ein Geschenk. Weil ich jetzt fest glaube, dass man durch ein weißes Licht geht, wo man alle längst Verstorbenen wieder sieht. Ich kann jetzt mit der Trauer besser umgehen.

Also wenn in eurer Familie mal so was vor kommt, traut euch und habt nur Mut. Es ist hart aber ein Geschenk, was man nicht mehr vergessen kann. Und es hilft uns auch unsere Wege zu finden.